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22.10.2019, 08:28 Uhr
CDU Schaafheim diskutiert über Denkmalschutz
Mehr Transparenz und zeitgemäße Entscheidungen nötig
Bei der Diskussionsveranstaltung „CDU im Gespräch: Denkmalschutz – Nutzen oder Nachteil?“ arbeiteten die Referenten und Teilnehmer vergangene Woche eine Problematik auf, die viele Kommunen und private Eigentümer von Baudenkmälern beschäftigt. So gut und wichtig, wie der Denkmalschutz für ein einheitliches und historisch wertvolles Ortsbild einer Gemeinde ist, so schwierig gestalten sich bisweilen Planungen und Bauvorhaben, die den Ansprüchen der Eigentümer gerecht werden und einen modernen und lebendigen Ortskern ergeben sollen.
Der Schaafheimer Bauamtsleiter Roland Trippel verdeutlichte zunächst an einigen Beispielen die vielfältigen Berührungspunkte mit der Unteren Denkmalschutzbehörde. Nicht nur die Tatsache, dass Eigentümer oft erst bei Einreichung eines Bauvorhabens bei der Behörde erfahren, dass ihr Gebäude besonders geschützt ist, sondern auch die Ansprüche und Vorschriften der Behörde bei der Durchführung von Sanierungen gestalten Planungen und Bauvorhaben extrem aufwendig, kostenintensiv und zeitraubend.  Der Landtagsabgeordnete und Generalsekretär der CDU Hessen Manfred Pentz nahm so einige Anregungen aus der Diskussion auf, um sie auf Landesebene zu besprechen. Da das Land die Obere Denkmalschutzbehörde stellt und man die verschiedenen Problemfelder sieht, überlege man, die Zuständigkeit der Unteren Denkmalschutzbehörde in den Regierungspräsidien, die direkte Landesbehörden sind, zu bündeln. So könnte dann ein einheitlicheres Vorgehen eher garantiert werden als bei einer auf Kreisebene angesiedelten Behörde. Einig waren sich die Teilnehmer der Diskussionsrunde auch, dass es mehr Transparenz bei der Entscheidung, ob ein Gebäude unter den Denkmalschutz fallen soll, geben muss. Eine Art öffentlich zugängliches Register, aber mindestens die aktive Information der Eigentümer und der Gemeinde seien absolut notwendig.  Es könne nicht sein, dass hier eine Behörde unbeachtet von Eigentümer und Öffentlichkeit solch tiefgreifende Entscheidungen trifft.  

Verwundert zeigten sich die Anwesenden über Vorgaben und Einwände der Behörde bei laufenden Bauvorhaben und Sanierungen, z. B. dass wenige Jahre alte Anbauten plötzlich zum Altbestand zählen oder detaillierte Farb- und Materialvorgaben gemacht werden. Der Vorsitzende der Gemeindevertretung Daniel Rauschenberger brachte dazu die Funktion eines „Heimatpflegers“ ins Gespräch, der aus und für die Gemeinde eine Schnittstelle zur Behörde sein kann. „Die Tatsache, dass der Ermessensspielraum der unteren Denkmalschutzbehörde so groß ist, das Gesetz recht wenig konkret regelt und Entscheidungen ob und was möglich ist, von einer Person abhängen, verdeutlichen den Handlungsbedarf, um eine Akzeptanz bei der Bevölkerung zu bewirken“ so Rauschenberger. Wolfgang Roth fasste es in einem Satz zusammen: „Denkmalschutz ist dann gut, wenn der Ortskern belebt ist“. Unter heutigen Ansprüchen an Wohnraumqualität, Verkehrssituation, Energieeffizienz, Barrierefreiheit usw. muss Denkmalschutz neu gedacht werde. „Es nutzt nichts, wenn wir Gemeinden bekommen, die wie Donuts aussehen. Innen hohl und an den Rändern wird expandiert und immer mehr Fläche versiegelt“ ergänzte der Energieberater Holger Lorenz. Lorenz stellte an dem Abend das Beratungskonzept ALBIZ aus seinem Heimatkreis Gießen vor. Hier wird Bauherren unter Einbeziehung der Behörde und Fachleuten aus allen Baugewerken aufgezeigt, wie man Altbauten und Baudenkmäler richtig saniert und vor allem, wo und wie man an die reichlich vorhandenen Fördergelder kommt. „Ein Initiative, die auch für unseren Landkreis Vorbild sein sollte“ sind sich Manfred Pentz und der Schaafheimer CDU Vorsitzende Ralph Pittich einig.

Die CDU Schaafheim hofft, dass Bewegung in ein Thema kommt, dessen spezielle Probleme nicht immer vor Ort gelöst werden können. Ralph Pittich zum Abschluss: „Wir brauchen hier die Landespolitik und ein Umdenken, einen modernen Denkmalschutz, von dem wir alle profitieren“.